Rolf Kötterheinrich (Hg.)

BILDERLEBEN

Sonderausgabe der Ifigenie 2020

​Beim Sichten der Texte zum Thema „Mein schönstes Erlebnis mit meiner Betreuerin/meinem Betreuer …“ für diese besondere Ausgabe der ifigenie fiel mir ein kurzer Satz in die Hände: „… als ich mit Nicol in Kroatien Joggen war.“

 


Diese Sequenz hat mich in ihrer Kürze und Klarheit sehr berührt, und ich fragte mich: Was mag die uns unbekannte Autorin (oder war es ein Autor?) in dieser eher unspektakulären Situation im Urlaub empfunden haben, das es wert war, im Nachhinein als „schönstes Erlebnis“ benannt zu werden? Gemeinsamkeit? Angenommen-Sein? Beziehung?


Dieser eine Satz steht für mich stellvertretend für das Universum an Erlebnissen, Eindrücken und Empfindungen der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, das in einem Teil dieser ifigenie seinen Platz gefunden hat.  Gesammelt wurden die Texte im Rahmen einer Sommerfest-Aktion der IFI gGmbH im vergangenen Jahr; die Redaktion hat sie für diese Ausgabe erweitert um Texte aus den vier anderen Tochtergesellschaften unter dem Dach der IFI Stiftung.


Die Beiträge – mal ausführlich, mal knapp, manchmal illustriert, um etwas deutlich herauszustellen, – erlauben einen unmittelbaren Einblick in die (Er-)Lebens- und Gefühlswelt der betreuten jungen Menschen. Es finden sich alltäglich anmutende Begebenheiten aus einer Ferienfreizeit oder im Rahmen einer Einzelaktivität, aber auch ausführlichere Bekenntnisse von Dankbarkeit für ein Zuhören, ein Drüber-Reden, ein Mitfühlen des „Bezugs“.


Ein zweiter, wichtiger Teil dieser Ausgabe lässt sich mit dem Stichwort „Würdigung“ beschreiben. Im Wechsel mit den Texten veröffentlichen wir Bilder und Zeichnungen unserer Kinder und Jugendlichen, die in den vergangenen Jahren für den IFI-Jahreskalender „Bilder der Kinder“ eingereicht wurden, aber aus unterschiedlichsten Gründen nicht berücksichtigt werden konnten.


Um der Fülle der Bilder ein wenig Ordnung und Überschaubarkeit zu geben, haben wir uns erlaubt, sie thematisch zu „clustern“ (mit kurzen Texten von Dr. Rolf Kötterheinrich). Die Einordnung wird nicht immer in der Intention der jungen Künstlerinnen und Künstler liegen, doch erlaubt dieses Vorgehen einen in seiner Vieldeutigkeit amüsanten und manchmal verblüffenden Blick auf ihre Sicht der Dinge und Details.


Als Gestalter und verantwortlicher Redakteur dieser Ausgabe (und Nicht-Pädagoge!) bekenne ich, dass ich dem zu bearbeitenden Text- und Bildmaterial anfänglich eher neutral gegenüber gestanden habe. Doch je tiefer es darin einzutauchen galt, desto mehr gewann die Achtung davor Oberhand, wie sensibel, detailliert und originell die jeweilige Wahrnehmung ins Bild gesetzt worden ist.

 

​Jörg Spanjer

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Das sagen Leser:innen:

"Auf den ersten Blick in die Sonderausgabe der IFI Genie war ich begeistert von der kreativen Gestaltung einerseits von den Bilder, da sich doch einige Künstler unter den Klienten befinden, und andererseits von der Ausgabe selbst, gemessen an der Kombination der gemalten Bilder und der Seitengestaltung bezogen auf Farbe, Schriftart und Text. Der Einbezug der Klienten findet hier für mich den wichtigsten Kernpunkt, da man so vor allem die Perspektive der Kinder- und Jugendlichen betrachten kann.

Wenn man tiefer in die Texte einsteigt war ich doch sehr berührt wie offen die Klienten über ihre schönsten Erlebnisse sprechen. Auch wie einige eine Art Sinneswandel durchlebt haben, um sich selbst weiterzuentwickeln. Viele der Briefe sind gekennzeichnet durch die Beziehung die der Klient zu seinem Bezugsbetreuer hat, welche vor allem mit Vertrauen und Verbundenheit zusammenhängt. Man lässt in dieser Ausgabe die Bilder und Klienten sprechen. Schaut man sich auch die Bilder genauer an sind doch einige dabei, die einen zum nachdenken anregen und einen echten „Backround“ haben. Wie man so schön sagt ,Bilder sagen mehr als tausend Worte'."

 

"Als ich mir dieses Buch anschaute, erinnerten mich einige der Bilder und Geschichten sofort an meine eigene Kindheit. Man fühlt sich plötzlich in eine unbeschwerte Zeit und an einen Ort zurückversetzt, den man selbst mit solchen Werken verbindet. Bei mir war es das Wohnzimmer meiner Oma. Bei manchen Motiven war ich aber überrascht, dass manche Figuren aus meiner Kindheit heute noch bekannt zu seien scheinen. Ich musste erstmal googeln um festzustellen, dass manche davon schon weit über 20 Jahre alt sind. Ich fühle mich jetzt alt."

 

"Die Offenheit mit der die Erlebnisse erzählt wurden, hat mich sehr berührt. Den Wechsel  Bilder / Erlebnisse zum Thema finde ich sehr spannend, denn die Farben verraten etwas über die Gefühlslage. Mir hat die Ausgabe sehr gefallen."